Süße unbekannte Düfte sind es hier nicht gerade, doch bringt der Frühling mir so einiges Neues in Florenz: Ich bin umgezogen, habe die sehr schöne erste Wohnung zugunsten des Internetzugangs und des aktiveren italienischen Sprachgebrauchs verlassen, jetzt vermisse ich die Pasticceria gegenüber und versuche bisher ergebnislos, meinen Kleiderschrank benutzbar zu machen. Es liegt mir fern, Vorurteile zu schüren, aber Italiener putzen gerne mit literweise giftiger Chemie, so stinkt der Schrank und bald auch alles, was drin ist, also stapelt sich mein ganzes Hab und Gut auf dem Schreib- und dem Nachttisch, was beide ebenfalls unbenutzbar macht. Mit Essig (aus Deutschland, weil Balsamico- oder Weißweinessig wohl auch nicht helfen würden) und anderer Chemie wird es wohl im Schrank werden...
Die Uni ist, um das Leid gleich hinter mich zu bringen, auch nicht besser, als im ersten Semester, zwar habe ich mir die Kurse passender gewählt, aber ich gehe trotzdem kaum öfter hin. Das italienische Universitätssystem ist nichts für mich, ich bin nicht mehr ärgerlich oder traurig darüber, sondern versuche, meine Energie in die Dinge zu investieren, die es wirklich wer sind und habe damit gut zu tun. In zwei Wochen ist der ganze Spuk auch schon wieder vorbei, dann beginnt wirklich ein langer Sommer für mich. Ich genieße die ersten wirklich warmen Tage und bin so glücklich, dass Sommer wird, weil Florenz im Winter zwar schön leer und nur von Italienern bewohnt, aber trotzdem manchmal sehr frustrierend war und weil Italien einfach nur im Sommer Italien ist, wie ich es vor drei Jahren kennen und lieben gelernt habe, weil das Leben hier draußen stattfinden muss, damit es echt ist, weil man braune Haut braucht, damit man dazu gehört, weil gelato essen im Regen keinen Spaß macht.
Mein neues Zimmer liegt nur noch zwei Straßen vom Arno weg, ich kann jetzt also immer am Wasser langradeln - eine weitere Neuigkeit hier, ich habe es nach sechs Monaten doch noch zu einem Fahrrad gebracht! Es gibt unheimlich viel zu sehen, mit Miriam und Konstanze habe ich in der Woche nach Ostern selbst viel Neues gesehen und schwere Bildungslücken gefüllt, z. B. Santa Croce, San Lorenzo und die Capelle Medicee, außerdem Siena. Seit dieser Woche habe ich einen neuen Lieblingsort - die Villa Bardini, in der ich am Sonnabend mit Lisa die zweite Macchiaioli-Ausstellung gesehen habe (nach der ersten im Oktober über Cabianca, von der ich auch erzählt habe, diese perfekte Ausstellung in der perfekt passenden Villa im grandiosen Abendlicht...), wir wurden von dem gleichen Führer durch die Austellung begleitet, der mir auch schon Cabianca näher gebracht hat, ein Student, der in seiner Freizeit durch Museen führt, so sieht er wenigstens aus. Zur Villa gehört der Giardino Bardini, ein kleiner Garten mit einer herrlichen Pflanzenvielfalt hoch über Florenz mit wunderschönem Ausblick auf die Stadt und kleinen Spazierwegen. Ich fühle mich dort ein bisschen wie in einem Roman, weil es einfach so schön ist, so unwirklich fast.
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